Der Löffeltrunk
Die Geschichte des Löffeltrunks
Wie alles begann...
Gasthäuser des historischen Löffeltrunks
Trinklöffel und Löffelbücher gab es nur in ausgewählten Gaststätten.
Dazu zählen auch noch heute die folgenden Lokale:

Frankfurter Hof
Am Marktplatz gelegen, hieß der Frankfurter Hof ehemals "Zum Wolfen"

Gasthof zum Riesen
Fast nebenan, ebenfalls am Marktplatz gelegen im Gasthof "Zum Riesen"

Zu den Drei Kronen
Auf dem Freihofplatz im ehemaligen Gasthaus "Zum Ochsen"
Die Löffel
Der Löffel hat sich mit Standort und natürlich auch mit den Jahren immer wieder entwickelt.
Hier sehen Sie die bekanntesten Löffel der damaligen Zeit.

Löffel des Wolffen
Der Kasseler Löffel, auch Löffel aus dem Wolffen, dessen Original in Kassel im Museum hängt.

Augsburger Löffel
Der Augsburger Löffel, der im Jahr 2005 aus Privatbesitz der Familie Rettinger/Volkmann aus Bayreuth angekauft werden konnte und im Regio-Museum ausgestellt wird.

Nürnberger Löffel
Dieser Löffel ist im Archiv des historischen Museums in Frankfurt, zusammen mit dem zugehörigen Gästebuch, welches noch gesichtet werden sollte.

Willkommenslöffel
Der Willkommlöffel oder auch der Wiener Löffel, der über viele Wege, über Berlin und Wien und dann über Göring im Jahr 1939 nach Seligenstadt zurück fand
Die Geschichte der Löffel
Die Löffel zu beschreiben, ist sehr umfangreich. Dr. Josef Schopp hat in seinem Büchlein „Das Seligenstädter Geleitswesen“ diese sehr ausführlich dargestellt.
Zusammenfassung
Außer bei dem Willkommlöffel beträgt das Fassungsvermögen einen Liter. Bei den beiden etwas älteren Löffeln, dem Willkommlöffel und dem Kasseler Löffel wurde Lindenholz verwendet und der Augsburger- und der Nürnberger Löffel sind aus Nussbaumholz. Sie sind, auch mit Kette, immer aus einem Stück geschnitzt. Die Blattornamentik, die teilweise reliefartig herausgearbeiteten Symbole, Wappen und die elegant schwungvollen Elemente sind der kunstvolle Ausdruck des Früh- bis Hochbarocks. Wir finden auf den von den Augsburger- und Nürnberger Kaufleuten in Auftrag gegebenen Löffeln besondere Merkmale ihrer Herkunft. Ganz auffällig, ein Prachtstück barocken Kunsthandwerks und unverwechselbar ist der Nürnberger Löffel mit dem Nürnberger Reichsadler.
Der Löffel vom Wollfen
Adolphus Meyer, der Wirt des Wolffen (heute Frankfurter Hof), ließ schon in den 1660-er Jahren in Frankfurt einen Löffel anfertigen. Adolphus Meyer, Wirt des „Wolffen“ in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg, war derjenige, der als Erfinder des Löffeltrunks zu nennen ist. Er war es, der sich schon damals Gedanken machte, mit welcher „Marketingstrategie“ er mehr und zahlungskräftigere Gäste in sein Haus locken konnte. Er ließ in Frankfurt in den 1660er Jahren einen kunstvoll verzierten Löffel schnitzen, dessen Fassungsvermögen, wie wir alle wissen, einen Liter Wein aufnehmen sollte. Dieser Löffel vom Wollfen wurde schon Ende des 17.Jahrhunderts vom Erbprinz Wilhelm von Hessen-Kassel und Graf von Hanau erworben. Man kennt den Grafen auch unter dem Namen; „Wilhelm, der schönste Mann seiner Zeit“. Dieser war ein kunstsinniger und den schönen Dingen des Lebens zugewandter Mensch. So baute er beispielsweise das wunderbare Schloss Wilhelmsbad und gründete die Zeichenakademie, ein heute noch renommiertes Ausbildungsinstitut für Goldschmiede, Graveure und andere Künstler. Er entdeckte im nahen Seligenstadt diesen wunderbaren Löffel und wollte ihn unbedingt haben. Der Löffel liegt heute in den staatlichen Museen in Kassel. Wir bezeichnen ihn auch als Kasseler Löffel. Eine Kopie gehört der Familie Stenger vom Frankfurter Hof.
Der Augsburger Löffel
Die Augsburger Kaufleute wechselten späterhin in das Gasthaus zum Ochsen. Der Wirt dort ließ etwa um das Jahr 1690 einen Löffel anfertigen, den wir heute als Augsburger Löffel kennen. Die Augsburger wechselten später, etwa zur Mitte des 18.Jahrhunderts, zusammen mit ihrem Löffel in das Gasthaus zu den drei Kronen. Das Original wurde auf Initiative engagierter Seligenstädter, zusammen mit den zugehörigen Löffelbüchern, vor etwa 20 Jahren von den Erben der Besitzer der 3 Kronen erworben und aus Bayreuth hier nach Seligenstadt zurück überführt. Den Löffel und die Bücher kann man im RegioMuseum besichtigen. Von diesem Löffel gibt es hervorragende Kopien.
Der Nürnberger Löffel
Die Nürnberger Kaufleute wechselten damals in das Gasthaus zum Riesen, wo sie sich einen neuen Löffel anfertigen ließen. Dieser ist bekannt als Nürnberger Löffel. Zusammen mit dem Gästebuch verkaufte der spätere Riesenwirt im Jahr 1897 diesen damals an das historische Museum in Frankfurt. Dieser und die zugehörigen Löffelbücher sind aufwändig restauriert. Auch die Frankfurter haben den Wert erkannt. Mehrmals wurde versucht, den Löffel wieder nach Seligenstadt zurückzuholen. Ein Vers, der dieses Drama treffend beschreibt, wurde 1951 auf der Rückseite einer Fotografie des Löffels vermerkt, als dieser zumindest mal fotografiert werden durfte.
Wir bedauern, dass der Löffel von hier verschwunden
er hängt in Frankfurt im Leinwandhaus
Wir hätten so gern daraus getrunken
In Frankfurt, da trinkt kein Mensch daraus.
Der Willkommenslöffel
Der vierte Löffel ist der flache Löffel, aus dem es sich im Übrigen ganz schlecht trinken lässt. Das Füllvermögen ist nicht ganz so groß. Womöglich ist dieser aber noch viel älter als alle anderen. Der Ursprung ist unbekannt. Er wird als Willkommlöffel oder Wiener Löffel bezeichnet, da er 1921 aus dem Besitz von Erzherzog Franz Ferdinand (das ist der, der in Sarajewo ermordet wurde und die Tat als Auslöser des 1.Weltkriegs gilt) in das Volkskundemuseum in Wien gebracht wurde. Dieser Löffel ist viel gereist. Er war zuvor in Berlin in einer Galerie, wurde dort als „Löffel Karls des Großen zu Seligenstadt“ gelistet. 1938 wurde der Löffel dann in Wien dem Reichsfeldmarschall Hermann Göring gebracht, mit der Bitte, diesen doch dem Führer zu überreichen. Göring, selbst Kunstsammler und, wie wir heute wissen, Kunstdieb, behielt diesen dann doch lieber für sich selbst.
Erst auf Vermittlung einiger hochgestellter und einflussreicher Parteigenossen wurde der Löffel im Namen Hermann Görings im Jahr 1939 anlässlich des Geleitsfestes an die Stadt Seligenstadt überreicht.
Sicher nichts, auf das wir stolz sein können, mit so einem Namen in Verbindung gebracht zu werden. Zeigt es doch aber auch, welchen künstlerischen Wert und welche Einmaligkeit die Löffel hatten und heute noch haben.
Heute
Die Tradition des Löffeltrunks wieder aufleben zu lassen, oblag seit 1936 dem Heimatbund. 1989 hat sich aus dem Heimatbund heraus „Die Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel zu Seligenstadt“ gebildet, die sich der Förderung des Brauchtums und insbesondere der Pflege des Löffeltrunks und der Fortführung der Löffelbücher zur Aufgabe gemacht hat. Der Löffel wird im Rahmen des Geleits (alle 4 Jahre) auf dem Marktplatz ausgesuchten Personen gereicht, die zu Löffelrittern werden. Außerdem werden im jährlichen Turnus neue Mitglieder in die Ordensbruderschaft aufgenommen. Diese trinken einen Willkommenstrunk und werden dann zu Ordensdamen oder zu Ordensbrüdern. Zur wichtigsten Frage: „Wird der Löffel immer vollgemacht?“ Dies bleibt das Geheimnis des Löffelwirts!
Quellen
Quellen:
Dr.Josef Schopp Seligenstädter Geleitswesen Hrsg Heimatbund
Dr. Ingrid Firner die Seligenstädter Gästebücher Hrsg. Ordensbruderschaft Vom Steyffen Löffel
Dr. Manfred Schopp in verschiedenen Abhandlungen Hrsg. Heimatbund Seligenstadt
Thomas Laube der Festbücher zum Seligenstädter
Dr. Ingrid Firner Geleit aus den Jahren 2007 und 2011
2024 Zusammenfassung von Norbert Zabolitzki